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Vitrine 130: Kabel

Kabelsalat? Das Nervensystem der modernen Welt

Wir schalten das Licht ein, telefonieren oder verschicken eine Nachricht um die halbe Welt. Hinter Wänden, unter Straßen und auf dem Meeresgrund verlaufen sie meist unsichtbar: Kabel. Sie bringen Energie zu uns und tragen Informationen rund um den Globus.

Um 1900 – Kupfer verbindet die Welt: Mit Elektrifizierung, Telegrafie und Telefonie wachsen die Leitungsnetze. Metallleiter transportieren Strom oder elektrische Signale. Gummi, Papier und später Kunststoffe isolieren und schützen sie.

Ab den 1920er-Jahren – Kabel können immer mehr: Energiekabel übertragen höhere Leistungen. In der Kommunikation kommen Koaxialkabel hinzu. Ihr Aufbau aus Leiter, Isolation, Abschirmung und Mantel ermöglicht die Übertragung von mehr Informationen.

1956 – Stimmen über den Atlantik: Mit TAT-1 geht das erste transatlantische Telefonkabel in Betrieb. Es kann zunächst 36 Gespräche gleichzeitig übertragen.

1966 – Eine Idee wird zum Durchbruch: Charles K. Kao zeigt, dass ausreichend reines Glas Licht über große Entfernungen leiten könnte. Für seine grundlegende Arbeit zur Glasfaserkommunikation erhält er 2009 den Nobelpreis für Physik.

1970 – Das passende Material entsteht: Robert Maurer, Donald Keck und Peter Schultz stellen bei Corning eine Glasfaser her, in der nur noch wenig Licht verloren geht.

1988 – Licht verbindet Kontinente: TAT-8 nimmt als erstes transatlantisches Glasfaserkabel den Betrieb auf. Die Verbindung kann rund 40.000 Telefongespräche gleichzeitig übertragen.

Heute – Ein Netz, das weiterwächst: Mehr als 1,7 Millionen Kilometer Unterseekabel verbinden bereits die Kontinente. An Land wird das Glasfasernetz weiter ausgebaut. Es trägt die wachsenden Datenmengen unseres Alltags – und verbindet auch die Rechenzentren, in denen künstliche Intelligenz entwickelt und genutzt wird.

Und morgen?

Während wir Geräte zunehmend kabellos nutzen, wächst das Netz dahinter weiter. Neue Glasfasern sollen mehr Daten übertragen, Stromkabel Energie über große Entfernungen leiten. Unterseekabel könnten künftig sogar Veränderungen im Ozean messen. Werden Kabel eines Tages überflüssig – oder wird aus dem unsichtbaren Netz ein noch klügeres Nervensystem?