Schwebend unterwegs
Wuppertal, 1901. Während andernorts Bahnen auf Schienen fahren, hebt hier der Alltag ab. Die neue Schwebebahn hängt über der Wupper, gleitet über Straßen und Häuser hinweg und zeigt, wie ungewöhnlich Mobilität um 1900 gedacht werden konnte: erdgebunden und doch in der Luft.
Die Idee dazu geht auf den Ingenieur Eugen Langen zurück. In den 1890er-Jahren wurde sein Schwebebahn-System für das enge Tal von Barmen und Elberfeld ausgewählt. Dort war unten wenig Platz, die Wupper aber bot eine eigene Verkehrsachse. Statt sich durch die Stadt zu zwängen, wurde die Bahn einfach darüber gebaut. Am 1. März 1901 wurde der erste Abschnitt offiziell eröffnet, bis 1903 war die Strecke weiter ausgebaut.
Was damals wie ein kühnes Experiment wirkte, ist bis heute in Betrieb. Weltweit gibt es nur wenige vergleichbare hängende Bahnsysteme, etwa in Dresden oder Japan. Wuppertal aber machte das Schweben zum Alltag: Die Schwebebahn wurde zum Wahrzeichen einer Stadt, die sich selbst in Bewegung neu erfand.
Neben der Schwebebahn steht Miss Blondin für eine andere Form des Schwebens: nicht technisch, sondern körperlich, mutig und balancierend. Die Hochseilfigur erinnert an die Faszination für Wege über dem Boden – und an eine Zeit, in der Höhe, Bewegung und Wagemut das Publikum staunen ließen.
Und was macht ein Elefant in Wuppertal?
Am 21. Juli 1950 sollte die junge Elefantendame Tuffi bei einer Werbefahrt des Circus Althoff mit der Schwebebahn für Aufmerksamkeit sorgen. Aufmerksamkeit bekam sie – nur anders als geplant. Tuffi erschrak, durchbrach die Seitenwand und sprang aus der fahrenden Bahn in die Wupper. Sie kam mit einer Schramme davon, die Geschichte aber blieb. Aus einer missglückten Reklameaktion wurde eine Legende, die Wuppertal bis heute erzählt.
Ende der 1950er-Jahre wurde Tuffi sogar zum Markennamen für Milchprodukte der damaligen Milchwerke Köln-Wuppertal. Bis heute ist der Name auf Milchprodukten zu finden – als freundliche Erinnerung an den wohl berühmtesten Sprung aus der Schwebebahn.