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Vitrine 117 – Stadt um 1900 / Weltausstellung Paris 1900

Als die Zukunft zu leuchten begann

Paris, 1900. Die Welt steht an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert – und die Stadt fühlt sich plötzlich an wie ein Versprechen. Auf der Weltausstellung drängen sich Millionen Menschen zwischen Maschinen, Lichtern, Schienen, Fahrzeugen und Zukunftsideen. Was sie sehen, ist mehr als technische Spielerei: Es ist ein Blick in eine neue Zeit.

Noch wenige Jahrzehnte zuvor war der Alltag ein anderer. Straßen wurden mit Gas- oder Öllaternen erhellt, in den Häusern brannten Kerzen, Petroleumlampen oder Gaslicht. Nachts war die Stadt dunkler und langsamer. Wer unterwegs war, ging zu Fuß, fuhr mit Pferd und Wagen, mit der Kutsche oder mit der Bahn. Energie kam aus Kohle, Dampf, Muskelkraft und Feuer.

Um 1900 verändert sich dieses Bild. Kohle treibt Dampfmaschinen an, aus Bewegung wird Strom. Elektrizitätswerke versorgen Straßenlaternen, Trambahnen und neue Maschinen. Die Stadt leuchtet heller, fährt schneller und wirkt plötzlich moderner. Zwischen Pferdefuhrwerken tauchen erste Automobile auf. Über den Köpfen erscheint der Zeppelin als Zeichen dafür, dass selbst der Himmel nicht mehr unerreichbar scheint.

Eine der großen Sensationen der Pariser Weltausstellung war das Trottoir Roulant – die „Straße der Zukunft“. Entworfen wurde dieser elektrisch betriebene Rollweg von Joseph Lyman Silsbee und Max E. Schmidt. Ganz neu war die Idee des beweglichen Gehwegs nicht, doch in Paris wurde sie erstmals in dieser Größe und Wirkung zum Publikumsmagneten: Auf rund 3,5 Kilometern konnten Besucherinnen und Besucher über das Ausstellungsgelände gleiten, ohne selbst gehen zu müssen.

Das Besondere daran war nicht nur die Technik, sondern das Gefühl: Zum ersten Mal setzte sich der Bürgersteig selbst in Bewegung. Nicht nur Maschinen fuhren – auch die Stadt begann, ihre Menschen zu tragen.

Heute ist ein Leben ohne Elektrizität kaum vorstellbar. Licht, Kommunikation, Verkehr, Wärme, Arbeit und Alltag hängen an Energie. Und ein Rollsteig findet sich in jedem Flughafen. Damit stellt sich eine Frage, die bis heute aktuell ist: Welche Energie trägt die Stadt von morgen? Damals war Kohle der Motor der Moderne. Heute geht es um neue Energieideen – und um Städte, die heller, nachhaltiger und lebenswerter werden.